Informationen rund um das Thema Tinnitus

Erfahren Sie mehr über das Krankheitsbild Tinnitus und dessen Entstehung. Wie können Betroffene damit umgehen? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Aufklärung und Informationen mit den Ohrgeräuschen, kann helfen besser mit ihnen umzugehen. Hierzu finden Sie auf dieser Seite auch Literaturempfehlungen.

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Krankheitsbild

Tinnitus

Ein Leiden, das zunächst mit einem Ton oder einem Geräusch im Ohr beginnt und schließlich als chronischer Tinnitus die gesamte Wahrnehmung beeinflussen kann. Doch chronischer Tinnitus ist primär keine Krankheit des Ohres, sondern eine Fehlverarbeitung von akustischen Signalen im Gehirn. Ziel jeder Behandlung muss es deshalb sein, das Unterbewusstsein von der Wahrnehmung lästiger Geräusche abzukoppeln, also das akustische System auf die normale Wahrnehmung zurückzuführen.

Der chronische Tinnitus

Hält ein neu aufgetretener Tinnitus länger als drei Monate an, so spricht man von chronischem Tinnitus. Die Diagnose "Chronischer Tinnitus" setzt eingehende Untersuchungen (u.a. beim HNO-Arzt, Neurologen, und Orthopäden) voraus. Mögliche Ursachen eines chronischen Tinnitus können neben Schädigungen im Innenohrbereich (z.B. Schwerhörigkeit im Alter, Hörsturz, Morbus Menière) auch Verengungen der großen Halsgefäße, Abnutzung der Halswirbelsäule, Kiefergelenksstörungen und eine Reihe von internistischen Erkrankungen, wie z.B. Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck sein. Die häufigste Ursache für einen chronischen Tinnitus ist jedoch eine Schädigung des Innenohres. Typisches Beispiel ist das Lärm- bzw. Knalltrauma. Dabei findet sich eine Schädigung der inneren und äußeren Haarzellen in der Hörschnecke im Innenohr. Viele Betroffene lokalisieren die Frequenz ihres Tinnitus gerade dort, wo die Schwelle zwischen normalem Hören und einer Hörschädigung liegt.

Wege zur Linderung

Neurophysiologisches Modell

Die wissenschaftlich begründeten Ansätze zur Behandlung von chronisch dekompensiertem Tinnitus basieren auf der Grundlage des sogenannten "Neurophysiologische Modell nach Prof. Jastreboff (USA)". Dieses Modell hat ergeben, dass man den Tinnitus aus dem Bewußtsein verdrängen kann und damit die Tinnitusbelastung der Patienten deutlich reduziert hat.Tinnitus ist, soweit messbar, kein lautes Geräusch. Das heißt, das subjektive Lautheitsempfinden kann als Ergebnis eines negativen Lernprozesses angesehen werden, in dessen Folge sich die Wahrnehmung des Tinnitus immer weiter in den Vordergrund drängt.
Demzufolge kann man umgekehrt auch lernen den Tinnitus weniger intensiv wahrzunehmen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan und setzt ein interdisziplinäres und intensives Zusammenspiel zwischen Ärzten, Psychologen und Hörgeräteakustikern voraus.

Das neurophysiologische Modell bestreitet nicht, dass Sie Ihren Tinnitus "hören". Im Gegenteil: Mit neueren Untersuchungsmethoden (PET=Positronen-Emissions-Tomographie) sind sogar tinnitusspezifische Aktivitäten auf der Großhirnrinde nachweisbar. Es handelt sich also primär nicht um eine psychische Störung!

Es wird auch nicht bestritten, dass Tinnitus häufig eine konkrete Ursache hat bzw. hatte (z.B. ein Lärmtrauma), oft mit Schädigung von Haarzellen im Innenohr einhergehend.

Jedoch muss zu irgend einem Zeitpunkt eine Verselbständigung des Tinnitus und Überbewertung in der individuellen Wahrnehmung erfolgen. Es gelingt dem Gehirn - wie bei anderen, unwichtigen Hintergrundgeräuschen üblich - nicht mehr, den Tinnitus aus der Wahrnehmung auszublenden. Der Tinnitus kommt in dieser Phase eindeutig nicht mehr "aus dem Ohr", sondern findet "zentral" statt (nämlich im sogenannten Limbischen System, dem Sitz unseres Gefühlslebens, und im autonomen Nervensystem). Daher bestünde ein Tinnitus auch dann weiter, würde man den Hörnerv durchtrennen, wenn also gar kein Schallsignal mehr vom Ohr zum Gehirn weitergeleitet werden kann. Dies erklärt auch das frühere Scheitern vieler Therapien, die ausschließlich auf das Innenohr abzielten.

Ziel der Behandlung ist die Habituation, also die Gewöhnung an den Tinnitus und seine Beherrschung im Alltag. Insofern gibt sie kein Heilungsversprechen ab. Vorteilhaft ist, dass die Therapie unabhängig von der möglichen Ursache, die sich ja meistens gar nicht bestimmen lässt, angewendet werden kann und auf eine Verbesserung der Lebensqualität zielt, statt eine "Heilung" zu versprechen. Damit bietet sie Betroffenen eine klare Perspektive. Ein weiterer Vorteil ist die Notwendigkeit zur aktiven Mitarbeit des Patienten. Er wird damit aus der Rolle des passiv Leidenden befreit und kann den weiteren Prozess aktiv mitgestalten und beeinflussen. Das verlangt allerdings Einsicht, Zeit, Geduld und den festen Willen, etwas erreichen zu wollen.

Die Tinnitus-Behandlung  ist eine Langzeittherapie und zielt auf eine langfristig angelegte Besserung des individuellen Zustandes ab. Daher ist die Tinnitus-Behandlung üblicherweise auf eine Dauer von 12 bis 24 Monaten ausgerichtet. Die Tinnitus-Behandlung besteht aus einem Vier-Säulen-Konzept: Counseling, psychologische Betreuung, Entspannungstechniken und Geräteversorgung. Die Tinnitus-Behandlung ist eine Teamleistung und kann nicht von einem Einzelnen erbracht werde

Unser Modell

Counseling

Das wichtigste Element ist zweifelsohne das sogenannte Counseling. Counseling ist am ehesten mit Beratung und Aufklärung zu übersetzen. Ziel ist, ein umfassendes Verständnis derjenigen Mechanismen zu vermitteln, die zu Tinnitus und dessen Verstärkung führen. Nur mit Verständnis und Wissen können Sie zu einer Neubewertung gelangen. Nur mit ausreichender Aufklärung ist ein Abbau von Angstgefühlen möglich. Counseling ist Ausgangspunkt der Behandlung. Rechnen Sie mit einem längeren Erstgespräch und mit wiederholten Gesprächsterminen während der Therapie.

Psychologische und psychosomatische Betreuung

Psychologische  und psychosomatische Betreuung
Eine weitere Säule ist die psychologische Betreuung. Stress, innere Anspannung, verdeckte Konflikte, Partnerschaftsprobleme und depressive Verstimmungen sind häufig Begleiterscheinungen oder manchmal sogar ursächliche Elemente im "Teufelskreis Tinnitus". Das psychologische Gespräch hilft, Zusammenhänge aufzudecken und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Dabei ist die Gruppenarbeit mit Menschen, die man nicht als "Leidensgenossen", sondern als "Freunde im gleichen Boot" sieht, oft hilfreich.

Andererseits ist es häufig sinnvoll, da es um eine Gewöhnungstherapie geht und der Psychologe helfen kann, Gewohnheiten zu erkennen und zu durchbrechen, die einem selbst vielleicht noch nicht einmal bewusst sind.

Entspannungsverfahren und Aufmerksamkeitstraining 
Entspannungstechniken helfen beim Stressmanagement, erleichtern die Auseinandersetzung mit dem eigenen Zustand, machen fit für die Belastungen des Alltags und erhöhen die Lebensqualität. Ein Hörtraining sensibilisiert wieder für die Geräuschvielfalt unserer Umwelt. Ziel ist, die Ohren wieder "nach außen zu klappen"!

 

 

Kompakt multimodale Tinnitusspezifisch kognitive Verhaltenstherapie

Hierzu zählen 3 Hauptkomponenten:

  • Kognitive Therapie mit Informationsvermittlung und Beratung (Consulting) und Expositionsübungen (KVT): Ziel ist Umbewertung des Tinnitus und die Veränderung negativer tinnusbezogener Gedanken und Gefühle. Über tinnistus-und hörspezifische Expositionen werden geräuschbezogene Ängste abgebaut.
  • Hörtherapie: Die kann das Tragen von Tinnitusinstrumenten (Rauschern) oder Hörgeräten bei bestehender Schwerhörigkeit, Hörstrategien wie Vermeidung von Stille, Hören in geräuschangereicherten Umgebungen und spezielle Hörtrainings beinhalten.
  • Körperbezogene Therapieverfahren einschließlich Entspannungstechniken: Ziel ist die Förderung körperlicher Lebensqualität und Abbau von tinnitusverstärkenden, somatischen Anspannungskreisläufen.

Kognitiver Therapie (manualisiert)

Darunter verteht man von Therapeuten angeleitete kognitive Umstruktuierungen mit dem Ziel der Veränderung von tinnitubezogenen Emotionen, z. B. über:

  • Sokratischer Dialog
  • Gedankenkontrolle
  • Zielformulierung
  • Exploration automatisierter Gedanken
  • Überprüfung von Überzeugungen in Verhaltensexperimenten

Kognitive Verhaltenstherapie kann im Einzel- oder Gruppensetting durchgeführt werden.

Darüberhinaus werden spezielle Verhaltenssettings zum Abbau spezifischer Ängste integriert.

Hörgeräte und Rauscher

Die Versorgung mit einem Hörgerät oder Rauscher hilft, Stille zu vermeiden. Bei Rauschern handelt es sich um spezielle Geräte, die ein permanentes, leises Therapierauschen erzeugen. Dieses darf den Tinnitus jedoch nicht überdecken, denn: damit eine Gewöhnung (Habituation) an den Tinnitus erfolgreich stattfinden kann, muss dieser wahrnehmbar bleiben. Hörgeräte sollten bei einer bestehenden Schwerhörigkeit frühzeitig verordnet werden. Neben der Verbesserung des Hörens erfolgt auch eine generelle Verbesserung der Lebensqualität und der kognitiven Leistungen (Gedächnisfunktion).

Literaturempfehlungen

Tinnitus and Stress

  • Tinnitus and Stress
    Auflage: 1st ed. 2017
    Autoren:
    Agnieszka Szczepek
    Birgit Mazurek
  • Springer-Verlag:ISBN-10: 3319583964
  •  

Tinnitus: 100 Fragen - 100 Antworten Ein Ratgeber für Betroffene

Tinnitus:
100 Fragen -
100 Antworten

Ein Ratgeber für Betroffene

Autoren:
Dr. J. Sandmann
Prof. Dr. H. Scherer
Dr. B. Mazurek
Verlag: akademos - ISBN 3-934410-86-3

Tinnitus

Tinnitus


1. Auflage


Autor: Gerhard Hesse

Thieme-Verlag: ISBN-10: 3131478012

Tinnitus

Tinnitus

2. Auflage

Autor: Gerhard Hesse

Thieme-Verlag: ISBN-10: 3131478020

HNO Praxis heute -Tinnitus

HNO

Praxis heute

Tinnitus

 

Autoren:
Dr. E. Biesinger
Prof. Dr. H. Iro
Verlag: Springer - ISBN 3-540-22720-2

Tinnitusratgeber
Siemens Audiologische Technik GmbH

Ear, Nose, and Throat Diseases

Ear, Nose, and Throat Diseases

Ear, Nose, and Throat Diseases
Autoren:
Hans Behrbohm
Tadeus Nawka
Oliver Kaschke
Andrew C. Swift
Verlag:Thieme

ISBN-10 313671203X

Download Informationsflyer zum Thema Tinnitus